„Dortmund sucht DAS Integrationsprojekt“ - Integrationspreis der Stadt Dortmund 2019 verliehen

Nach erfolgreichen Veranstaltungen in den Jahren 2009, 2011, 2013, 2015 und 2017 ging der Dortmunder Integrationspreis nun in die 6. Runde.

11 Integrationspreis

Mit dem Integrationspreis zeichnete MIA-DO-Kommunales Integrationszentrum Dortmund zusammen mit dem Integrationsrat der Stadt Dortmund wieder Organisationen, Vereine, etc. aus, die sich mit Ihren Maßnahmen, Projekte oder Aktionen, zum Thema Integration verdient gemacht haben und das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Zugewanderten fördern.

Ausgezeichnet und gewürdigt wurden engagierte Vereine, Organisationen oder Institutionen für Beispiel gebende, außergewöhnliche Integrationsarbeit, die das Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten nachhaltig fördert. Die Schwerpunkte der sich bewerbenden Projekte und Maßnahmen sollten- gemäß den vorrangigen Handlungsfeldern der städtischen Integrationsarbeit- in den Bereichen Bildung, Arbeit und Unternehmen, Soziale Balance in den Stadtbezirken sowie Weltoffene/Internationale Stadt liegen.

Eine Fachjury hat unter insgesamt 29 sehr interessanten und innovativen Bewerbungen ihre Entscheidung getroffen. Dank einer Spende der Sparkasse Dortmund erwarteten dabei Platz eins, 5.000 Euro Preisgeld, Platz zwei und drei sind mit 3.000 Euro bzw. 2.000 Euro dotiert. In welcher Vielfalt sich die Projekte präsentieren kann ab sofort auch auf www.dortmund.de nachgelesen werden. Denn dort sind alle Bewerbungen für alle Interessierten noch einmal hinterlegt.

Die Preisträger*innen wurden bei der feierlichen Preisverleihung, unter Beteiligung von Oberbürgermeister Ullrich Sierau, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Dortmund Herrn Dirk Schaufelberger sowie der Vorsitzenden des Integrationsrates Frau Aysun Tekin, am 03. Dezember 2019 in der Bürgerhalle des Rathauses bekannt gegeben.
Den Ehrenpreis, der an eine Person vergeben wird, die sich ehrenamtlich in besonderem Maß für das Thema „Integration“ engagiert hat, erhielt in diesem Jahr Frau Nicole Ausbüttels. Information zu den Preisträgerinnen und Preisträgern

1. Platz
Osman Gazi Moschee Huckarde, Jüdische Kultusgemeinde Groß-Dortmund, Ev. Lydia-Gemeinde Dortmund Theaterprojekt "Weißt du wer ich bin?" 

Ziel des Projektes Es ist ein (theaterpädagogischer) Prozess, an dessen Ende ein Theaterstück steht, welches zur Aufführung vor einem bunt gemischten Publikum (Menschen unterschiedlicher Generationen, Geschlechts, Weltanschauung, soz. Status etc.) kommt. Aufführungsorte sind die drei teilnehmenden Gemeinden, andere Gemeinden und neutrale Orte, wie Kulturzentren, Theater etc., in Dortmund und weiteren Städten. Das Theaterstück wird den Prozess, den die Mitwirkenden durchlaufen haben, auf künstlerische Weise umsetzen und damit sinnlich, emotional und intellektuell für die Zuschauer erlebbar machen. Die Zuschauer werden so in den Prozess eingebunden und können ihn mit- und weitergehen. Ein Publikumsgespräch im Anschluss an jede Vorstellung kann diesen Prozess noch vertiefen. Mitwirkende und Zuschauer nehmen diese Erfahrungen in ihren Alltag mit und wirken auf ihr Umfeld ein.

Wir denken, dass die Gesellschaft von dem Input der verschiedenen Religionen profitieren kann. Wir denken, dass eine offene Gesellschaft von den verschiedenen Perspektiven profitieren kann, die aus verschiedenen Weltanschauungen und verschiedenen Religionen resultieren. Wir wünschen uns, dass in der Gesellschaft Ängste und Vorurteile gerade gegenüber der jüdischen Religion und gegenüber dem Islam abgebaut werden. Wir möchten die Gemeinsamkeiten der drei Schriftreligionen ins Bewusstsein rücken. Wir möchten darauf hinwirken, dass sich Vertreter aller Religionen in der Gesellschaft angstfrei bewegen können. Wir halten es für wichtig, dass wir uns als Vertreter der jeweiligen Religion auch über Theaterarbeit unserer Position in der Gesellschaft und in der Welt selbst vergewissern. Wir sind der festen Überzeugung, dass Theater ein sehr gutes Mittel ist, um diese Prozesse anzustoßen.

2. Platz
Flüchtlingshilfe im Stadtbezirk Aplerbeck e.V.

Gründung des Vereins Ende 2015:
Verschiedene Schwerpunkte zur Hilfe für die Geflüchteten, die zu der Zeit und noch bis Mitte 2016 nach Deutschland kamen und in Notunterkünften (Turnhalle im Schulzentrum Aplerbeck und in den Traglufthallen an der B1) lebten:
- Patenschaften
- Deutschkurse für Frauen mit Kinderbetreuung
- Hilfe bei Behördengängen, Schule für die Kinder und Kindergarten suchen
- Wohnungssuche
- Unterstützung beim Lernen für die Integrationskurse

Hierfür wurden Räume in der Jugendfreizeitstätte an der Schweizer Allee angemietet. Nach Anmietung von Räumen eines leerstehenden Lebensmittel-Ladens in Dortmund-Schüren wurde der „KleiderTreff“ ein Schwerpunkt der Arbeit. KleiderTreff, Fahrrad-Werkstatt und Möbel-Börse funktionieren nur gemeinsam: Alt-Dortmunder und Neu-Dortmunder packen gemeinsam an, helfen, wo sie ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend können. Nachdem die Menschen nach und nach in ihre eigenen Wohnungen zogen, die Kinder in Schulen und Kindergärten gingen und die Erwachsenen ihre Integrationskurse besuchten, wurden in Gesprächen immer mal wieder Fragen und Wünsche geäußert: Wie lebt Ihr? Was macht Ihr in Eurer Freizeit? Wie und wo macht ihr Urlaub? Wie war das bei Euch nach dem Krieg? Usw. Diese Fragen gingen über die Möglichkeiten des Cafés im KleiderTreff hinaus und so gab es einmal monatlich ein Café Miteinander. Deshalb organisierten wir im Oktober 2017 unser 1. Integrations-Familienseminar für Familien mit und ohne Fluchterfahrung. Wir fuhren mit circa 60 Menschen im Bus nach Norddeich und von dort mit dem Schiff ins Seeferienheim auf Juist. Es wurden 4 wunderschöne intensive Tage. Die Verständigung zwischen den Familien mit und ohne Fluchterfahrung ging anfangs mit Händen und Füßen und evtl. auch mit englisch. Aber ganz schnell, und das war der Plan, wurde deutsch gesprochen. Voller neuer Eindrücke kamen wir alle wieder zurück nach Dortmund und begrüßten uns von nun an mit „Moin!“ Alle sagten dass sie so eine Fahrt gerne noch einmal machen möchten. Deshalb gab es ein Jahr später eine Fahrt nach Hattingen-Welper in die dortige Jugendbildungsstätte. In diesem Jahr wollten wir die Geschichte des Ruhrgebietes mit der Industriekultur ein wenig vermitteln. An einem Tag haben wir uns zwar spielerisch, aber sehr intensiv mit den Grundrechten und dem Grundgesetz in Deutschland beschäftigt. Hier gab es auch für die Deutschen einige spannende Erkenntnisse. Diese gemeinsamen Tage waren die Grundlage für viele weitere gemeinsame Feiern, Aktivitäten und Ausflüge im Laufe des Jahres. Die geflüchteten Menschen aus Syrien, Irak, Iran und weiteren Kriegsgebieten, die von Beginn an zu uns kamen (etwa 80 bis 100 Personen) leben inzwischen im ganzen Stadtgebiet verteilt von Wickede bis Westerfilde. Die meisten gehen arbeiten und manche haben ein Auto. Sie kommen aber weiter zu uns nach Aplerbeck. Nach den Erfahrungen der bisherigen 2 Familien-Integrationsseminaren wird die Partizipation und Mitbestimmung eingefordert und gefördert. So sind im aktuellen Familien-Integrationsseminar auch vier Geflüchtete und drei Deutsche Menschen im Organisationsteam.

3. Platz
VfR Sölde 1922 e.V.
Integration und Inklusion durch Sport

Der VfR Sölde hat sich nach intensiver Schulung vom LSB zu einem der Best organisierten Amateurvereine entwickelt. Dies bedeutet Projekte an zuschieben die das Vereinsbild prägen.

Der VfR Sölde ist seit 7 Jahren DOSB Landesstützpunkt für Integration und Inklusion durch Sport.

Wir fördern Mitglieder mit Migrationshintergrund bei der richtigen Schul-und Berufsfindung (Ausbildungsplätze in Zusammenarbeit mit der IHK Dortmund und unseren 56 Sponsoren. Wir unterstützen Familien bei der Überwindung bürokratischer Hürden( Begleitung zu Ämtern wie Wohnungsamt, Jobcenter, Versorgungsamt, Kindergeldkasse, Elternsprechtage) Wir bieten außerdem die Ausbildung zum Übungsleiter an in Kooperation mit dem SSB Dortmund (Gruppenhelfer1, Gruppenhelfer2, Aufbaumodul C Lizenz). Wir bieten regelmäßige, kostenlose Trainingslager in den Ferien an Zeitrahmen 4-6 Tage Teilnehmerzahlen 40-50-Kinder davon ca. 30 mit Migrationshintergrund. Seit dem 14. 06. 2015 betreuen wir mit Unterstützung geschulter Pädagogen 8 Kinder mit Down-Syndrom und 3 Kinder mit Autismus. Alle Trainer und Betreuer und Flüchtlinge machten einen Ersthelferlehrgang mit Defibri Kurs. Außerdem bieten wir für alle Altersklassen Fahrten und Ferienfreizeiten an. Großen Anklang findet immer unsere Fahrt zu unserem Partnerverein nach Bradford in England. In der Regel über die Ostertage 2019 Fahrt D,C,B Jugend nach Barcelona. Mit Hilfe der Sportschule Kaiserau haben wir 6 afghanische Flüchtlinge zu C-Lizenz-Trainer ausgebildet. Ziel die Flüchtlinge im offenen Ganztag an Schulen einzusetzen, um Futsall zu lehren. 7 unsere afghanischen Flüchtlinge haben wir in Fleiß und Brot gebracht. 5 Flüchtlinge haben eine Ausbildungsstelle und 2 einen Arbeitsplatz bekommen. Insgesamt haben wir Migranten und Flüchtlingen in den letzten Jahren 36 Jobs vermittelt.
Der VfR Sölde sieht sich in Verbindung mit gesellschaftlichen und politischen Akteuren in der Verantwortung, eine Positionierung zur Integration durch und in den Sport zu verfassen und zu vertreten. Die Integration von Kindern und Jugendlichen wird in der heutigen Zeit durch viele Aspekte geprägt und gefördert. Es geht dabei um Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, aber auch in sozial benachteiligten Situationen. Der organisierte Sport, wie er durch den VFR Sölde vertreten wird, hat das Potenzial eine integrative Rolle einzunehmen.

Ehrenpreis
Nicole Ausbüttel (Münster-Apotheke, IG Münsterstraße)

Nicole Ausbüttel lebt und liebt die Nordstadt und ihre Vielfalt. In ihrem Unternehmen und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird die interkulturelle Ausrichtung des Betriebes (z.B. Mehrsprachigkeit) als Chance begriffen. Sie engagiert sich als 1. Vorsitzende in der IG Münsterstraße und unterstützt seit Jahren das Münsterstraßenfest des Integrationsrates finanziell. Damit ist sie und Ihr Unternehmen ein wunderbares Beispiel für „Corporate Social Responsibility“ mit dem Focus Integration. Der Preis wird vergeben an eine Person, die sich über das berufliche Maß hinaus vorbildlich für die Integration von zugewanderten Menschen eingesetzt hat.

Fotos: Kador / Stadt Dortmund